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Elizaveta Radi – Architektur und Publizistik -

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  • [H2] Fünf Prinzipien einer nachhaltigen Architektur
  • [H2] Nachhaltig bauen heißt robust entwerfen
  • [H2] Ressourcenschonend konstruieren und zirkulär denken
  • [H2] Für das Klima der Zukunft bauen
  • [H2] Konstruktive Lösungen vor technischen Lösungen bevorzugen
  • [H2] Schöne Gebäude bauen 
  • [H5] • Wir können nicht in die Zukunft schauen, weder was die gesellschaftliche, ästhetische noch technische Entwicklung betrifft. Sicher ist nur, dass ein Gebäude mit langer Lebensdauer baulichen Anpassungen unterworfen sein wird. Wir müssen Räume mit langfristiger Nutzungsperspektive anstelle kurzfristig gedachter Raumkonzepte gestalten. Ein flexibler Grundriss, der die Tragkonstruktion auf das Wesentliche reduziert, erleichtert zukünftige Nutzungsänderungen. Räume sollten so proportioniert und angeordnet werden, dass sie wandelnden Ansprüchen gerecht werden können. • Die Elemente des Gebäudeentwurfs müssen so abgestimmt sein, dass der Austausch einzelner Bauteile, wie etwa der Fenster, nicht das gesamte Gebäude in Frage stellt, sei es aufgrund technischer oder ästhetischer Unzulänglichkeiten. • Es ist anzunehmen, dass die Haustechnik die kürzeste Lebensdauer besitzt. Die Installation muss daher so ausgelegt sein, dass ein Austausch ohne wesentlichen Eingriff in die eigentliche Konstruktion möglich ist, zum Beispiel mittels Erschließung durch vertikale Schächte in Vorwandinstallationen oder Elektroinstallationen ohne Schlitzungen. • Die zunehmende Spezialisierung und Auslagerung verschiedener Fachdisziplinen, die im Planungsprozess oft nur ihre Partikularinteressen beachten, verkompliziert die Bauprozesse. Nur eine ganzheitliche integrale Planung kann Gebäude hervorbringen, die langfristig halten, funktionieren und wertgeschätzt werden. 
  • [H5] • Unsere Bautätigkeit ist von einer Wegwerfmentalität geprägt, deren Ursachen in der Art der eingesetzten Baumaterialien und -produkte, der steigenden Anforderungen an die Zulassung von Bauteilen und der Externalisierung von Folgekosten aller Art liegen. • Wo immer möglich, sollte die Maxime «bewahren statt abbrechen» gelten.• Abbrüche müssen Rohmateriallager werden. • Gebäude sollten zu einem möglichst hohen Anteil rezykliert oder sogar in ganzen Bauprodukten wiederverwendet werden können. • In die Schonung der Ressourcen bei der Erstellung ist die Langlebigkeit einzukalkulieren. Vor diesem Hintergrund ist der Leichtbau dem Massivbau aus Ressourcensicht nicht a priori überlegen.
  • [H5] • Das Klima der Zukunft wird immer wärmer. Entsprechend wird die Kühlung der Gebäude an Bedeutung zunehmen, während die Anzahl der Heiztage abnimmt. • Die konventionelle Ausrichtung der Gebäude zur Sonnenseite ist angesichts der steigenden Sonneneinstrahlung zunehmend fragwürdig.• Eine konstruktive Verschattung der Gebäude ist eine sinnvolle Anpassungsmaßnahme. Brüstungsfenster optimieren den Lichtertrag bei Vermeidung sommerlicher Aufheizung. Loggien können großformatige Verglasungen verschatten. • Speichermasse ist sinnvoll, um die Temperaturschwankungen im Sommer zu puffern. Dies gilt insbesondere für die Außenwände der thermischen Hülle, da hier dynamische Effekte genutzt werden können. • Zwischenklimatische Pufferzonen leisten einen Beitrag zur Klimaregulierung. Sie können ohne kurzlebige High-Tech-Systeme sowohl auf die sommerliche Überhitzung als auch auf winterliche Auskühlung reagieren und gleichzeitig einen räumlichen Mehrwert für die Architektur schaffen.
  • [H5] • Die Einführung von Haustechnik hat die heutigen Komfortansprüche ermöglicht. Die Menge an Haustechnik überschreitet heutzutage jedoch das Maß des Sinnvollen. Sowohl die geringe Lebensdauer, der übliche Performance-Gap sowie Reboundeffekte machen ein Umdenken notwendig. • Low-Tech-Konzepte mit reduzierten, langlebigen Konzepten sind High-Tech- Lösungen mit geringer Haltbarkeit und Fehlertoleranz vorzuziehen. • Die Lebensdauer der Haustechnik darf nicht die Lebensdauer des Gebäudes bestimmen. • Die eigentliche Konstruktion und die technische Installation sind bestmöglich zu trennen. • Wo konstruktive Konzepte, wie Querlüftung, Verschattung und Speichermasse, technische Ausrüstung ersetzen können, sind diese zu wählen.
  • [H5] • Ein erhaltenswertes Gebäude ist ein schönes Gebäude. Nachhaltige Ästhetik ist in der aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte stark unterrepräsentiert. Wir Architekten sind in der Pflicht, unserer Kernkompetenz nachzugehen und Gebäude zu entwerfen, die jetzt und in der Zukunft als schön empfunden werden. Schönheit ist eine subjektive Kategorie, die jedoch einer (inter-)subjektiven Allgemeinheit unterliegt. • Architektur muss immer in der konkreten Zeit ihrer Erstellung zu verorten sein, reiner Historismus führt zu Kitsch. Unreflektierte Modeerscheinungen gefährden jedoch die Akzeptanz der Gebäude in der Zukunft. • Nachhaltige Ästhetik lässt sich nur durch eine integrale Planung sicherstellen, die Raumqualitäten, Materialwahl und Detaillösungen im gleichen Maße berücksichtigt. Mit generischen Grundrissen, Rasterdecken und einer Materialwahl, die weder Patina, Struktur, noch Farbe zulässt, lässt sich keine langlebige Architektur entwerfen. Einer der Irrtürmer der Nachkriegszeit ist die Annahme, der im Museumswesen als Raum ohne Eigenschaften eingesetzte White Cube könne zum Standard für zukunftsfähige, unterhaltsarme Raumgestaltung werden. • Wir müssen Räume gestalten, die identitätsstiftend sind. Nur wenn die Nutzer einen Bezug zu dem Gebäude aufbauen können, erhält es auch einen architektonischen Wert, der es langfristig erhaltenswert macht. Langlebige Architektur, die auch von späteren Generationen wertgeschätzt wird, ist der beste Garant für eine Reduktion der anteiligen grauen Energie pro Nutzungsjahr.

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