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Headings

H1 H2 H3 H4 H5 H6
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  • [H1] Die Offenbarung der Anderen
  • [H2] Geschichten des Christentums und das Gebot der Stunde
  • [H2] 1. Wanderprediger
  • [H2] Jesus war als jüdischer Wanderprediger unterwegs. Er kannte und lehrte überlieferte jüdische Lehrinhalte ohne eigene Schriften zu hinterlassen. Er hatte keine Absicht, eine neue Religion zu gründen – im Gegenteil war er bestrebt, die eigene Religion zu erfüllen. 
  • [H2] 2. Nächstenliebe
  • [H2] Als wichtigstes Gebot sah Jesus gemäss Überlieferung dies: Liebe ‚Gott‘ und Deinen Nächsten wie Dich selbst. Der jüdische ‚Gott‘ ist unvorstellbar. Die Nächsten können alle sein, denen man begegnet.
  • [H2] 3. Auslegung
  • [H2] Eine der bekanntesten Geschichten, die von Jesus erzählt werden, ist das Gleichnis des Barmherzigen Samaritaners. Da sind es weder Priester noch Gelehrte, die das Gebot erfüllen, sondern ein Mensch anderer Religion, der sich einem Hilfsbedürftigen annimmt und ihm so zum Nächsten wird.
  • [H2] 4. Kreuzigung
  • [H2] Jesus wurde im Auftrag des römischen Statthalters als «König der Juden» hingerichtet. Er galt als politischer Aufrührer. Viele Anhänger:innen waren danach überzeugt, dass Jesus der im Judentum angekündigte Messias und vom Tod auferstanden sei. 
  • [H2] 5. Verfolgung
  • [H2] Die verbliebenen Anhänger:innen wurden teils geduldet, teils festgenommen und hingerichtet. Vielerorts im römischen Reich wurden sie, wie auch andere jüdische Bewegungen, als Unruhestifter verfolgt. 
  • [H2] 6. Paulus
  • [H2] Paulus wandelte sich vom Verfolger zum Verehrer. Seine Mission bestand darin, Jesus selbst als der Erlöser “Christus” zum Fixpunkt eines neuen Glaubens zu machen – für alle Menschen, ungeachtet ihrer Religion, wenn sie an ihn glaubten.
  • [H2] 7. Abgrenzung
  • [H2] Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels ordnete sich das Judentum neu. «Christen», bis ins 2. Jahrhundert als jüdische Endzeitbewegung angesehen, sowie andere jüdische Gruppen grenzten sich vermehrt voneinander ab.  
  • [H2] 8. Frühe Kirche
  • [H2] Die Endzeit liess auf sich warten. Christliche Gemeinden entwickelten eine hierarchische Organisation mit Bischöfen. Mit dem “Neuen Testament” entstand rund 150 Jahre nach Jesus eine eigene Bibel.
  • [H2] 9. Reichskirche
  • [H2] Ab 311 wurden christliche Gemeinden als Körperschaften öffentlichen Rechts toleriert. Der römische Kaiser Konstatin erhob das Christentum zur Staatsreligion und setzte Feiertage wie den Sonntag oder Weihnachten fest. 
  • [H2] 10. Machtmissbrauch
  • [H2] Die Privilegien der Kirche förderten Machtmissbrauch. Im Namen Jesu wurden «Ketzer» verurteilt. Kreuzritter töteten Zehntausende auf ihren Raubzügen ins «Heilige Land».
  • [H2] 11. Kirchenspaltungen
  • [H2] 1054 kam es zur grossen Kirchenspaltung zwischen der Orthodoxie und der Westkirche. Der Patriarch von Konstantinopel und der Papst von Rom reklamierten das «christliche» Erbe beide für sich und exkommunizierten sich gegenseitig.
  • [H2] 12. Antisemitismus
  • [H2] Gegenüber dem Judentum entstand doppelter Missbrauch: Erst wurde es angeeignet, dann bekämpft. Jüd:innen galten als «Christusmörder». Der Antisemitismus kulminierte in der Shoah, der systematischen Vernichtung von 6 Millionen Jüd:innen. 
  • [H2] 13. Vereinnahmung
  • [H2] Viele Kirchen und Christ:innen sehen sich durch Jesus autorisiert und beanspruchen seine Wirkungsgeschichte, um ihr Handeln zu legitimieren. Dabei hat das «Christentum» nur teilweise mit den Lehren von Jesus zu tun. Ausgerechnet im Namen Jesus, der all dies relativierte, wurden Schriften, Gesetze, Kulte, Ausgrenzung und Missbrauch installiert und gefördert.
  • [H2] 14. (Dia)Praxis
  • [H2] Nächstenliebe/einander zum Nächsten zu werden am Beispiel des Samaritaners ist keine Glaubensfrage, sondern eine des praktischen Handelns/Gewissens: Aus Menschlichkeit sich einem Menschen, unabhängig von Religion und Herkunft, anzunehmen. (Es braucht keine neue Religion, sondern eine neue menschliche Beziehung.) die sich ereignet.
  • [H2] 15. Dialog
  • [H2] Das Gebot der Nächstenliebe ist kein Gebot, das sich selber erfüllen kann. Niemand kann sich selber religiös legitimieren. Dies ist nur in Beziehung (mit Anderen möglich). Der Andersreligiöse erfüllt das eigene Gebot als Beispiel der Menschlichkeit. Durch den Anderen wird Menschlichkeit offenbart. Nur in der Begegnung kann es realisiert werden.
  • [H2] 16. Zugehörigkeit
  • [H2] Die Realisierung von Nächstenliebe ist keine Frage religiöser Zugehörigkeit. Es braucht dafür weder Taufe, Glaubensbekenntnis noch Kirche. Jesu Lehre eignet sich damit nicht, religiöse Zugehörigkeit zu begründen oder statistisch zu erfassen. Zugehörigkeit entsteht in der Nachahmung, folge..
  • [H2] 17. Gemeinschaft
  • [H2] Die Nachfolgenden in einer tätigen Nächstenliebe bilden eine temporäre Gemeinschaft, die sich auf die Menschen ausweitet, denen sie begegnet. Sie kann nicht institutionalisiert werden, sie verfügt über keinen Namen, ist keine Organisation und hat kein Gründungsdatum. Sie geschieht in der Gegenwart immer neu.
  • [H2] 18. Schrift
  • [H2] Es gibt keine christliche Bibel und Schrift, die als “heilig” behauptet werden kann und moralischen Anspruch auf die christliche Erzählung erhebt. Die Überlieferung misst sich an der Praxis, die von jedem Menschen neu fortgeschrieben wird. 
  • [H2] 19. Kirchen
  • [H2] Die Kirchen können als zivilgesellschaftliche Kraft nachhaltige Sorge organisieren, wie die Herberge im Gleichnis. Indem sie Menschlichkeit, Care, Pflege im weitesten Sinn, Ausgegrenzte, Verletzte und Geflüchtete unterstützen. Interreligiös und unabhängig von religiöser Zugehörigkeit.
  • [H2] 20. Aufarbeitung
  • [H2] Die allergrösste Aufgabe christlichen Institutionen besteht in der Aufarbeitung ihrer Macht- und Missbrauchsgeschichte. Dies bedeutet auch die Aufgabe von Privilegien und Besitztümern sowie Reparation.
  • [H2] 21. Neue Erzählung
  • [H2] Die Erzählung des «Christentums» muss neu geschrieben werden – von den Lehrmitteln in Schulen, den Universitäten und kirchlichen Bildungsorten. Die religiöse Aneignung und Beanspruchung von Jesus und des Judentums erfordert die kritische Aufarbeitung der Religionsgeschichte in einer interreligiösen Hermeneutik, die den Blick der Anderen miteinbezieht.
  • [H2] 23. Privilegien abgeben
  • [H2] Die Anerkennung von Kirchen als Körperschaften öffentlichen Rechts ist angesichts ihrer Missbrauchsgeschichte problematisch. Eine Sonderstellung der Kirche im Staat gegenüber anderen Gemeinschaften ist nicht begründbar. Der Staat soll alle Religionen gleich behandeln und gleiche Voraussetzungen schaffen. Dies betrifft auch Steuern und Staatsbeiträge.
  • [H2] 23. Kulturelle Vielfalt
  • [H2] Kulturelle Normen und Feiertage sollen nicht der Machtpolitik dienen. Religiöse und Kulturelle Vielfalt ist da, um voneinander zu lernen, einander zu offenbaren und zu bekräftigen. Die Menschen sollen ihre Feiertage und Religionspraxis selber wählen. Massstab sind die Menschenrechte.
  • [H2] 24. Diapraxis
  • [H2] Einander zu helfen und bestärken in interreligiöser Diapraxis. Am wohl der Schwächsten. Begegne den Menschen offen in ihrer Vielfalt. Wir bewerten nicht, denn in jedem Kleid steckt der nackte, verletzliche Mensch.
  • [H2] 25. Gebot der Stunde
  • [H2] Das “Christentum” wird heute politisch instrumentalisiert wie eh und je. Es dient als Rechtfertigung für Rassismus und Hass. Es ist Zeit für die Umkehr. Nur gemeinsam, durch die Anderen und die eigenen Visionen, geschieht es. Wenn wir uns in radikaler Menschlichkeit begegnen, dann ist Weihnachten.

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